Comeback im Schlussviertel: AstroLadies schlagen Talents und klettern auf Platz drei
Die VfL VIACTIV-AstroLadies Bochum haben in der TOYOTA 2. Damen Basketball Bundesliga Nord ein enorm wichtiges Heimspiel gegen die Talents BonnRhöndorf mit 75:69 gewonnen. Nach einer schwachen ersten Halbzeit, einem zwischenzeitlichen Elf-Punkte-Rückstand und schwierigen personellen Voraussetzungen drehte Bochum die Partie im Schlussviertel mit einem 15:0-Lauf. Dank des Sieges und der Niederlage der BlackBulls Osnabrück rückten die AstroLadies auf Platz drei vor und machten einen großen Schritt Richtung Playoffs.
Die Ausgangslage hatte es in sich. Bochum ging zwar trotz der dramatischen 90:91-Niederlage nach doppelter Verlängerung gegen Spitzenreiter Göttingen weiterhin als Tabellenvierter in die Partie, doch die Belastung der vergangenen Wochen war deutlich spürbar. Die Talents BonnRhöndorf reisten mit fünf Siegen in Serie und entsprechend viel Selbstvertrauen als direkter Verfolger nach Bochum.
Schwierige Voraussetzungen vor dem Topspiel
Dazu kamen auf Bochumer Seite die bekannten personellen Probleme. Julia Martin und Ramona Tews fehlen weiterhin mit Kreuzbandriss, Faith Dut hatte zuletzt wegen einer Länderspielabstellung nicht mit der Mannschaft trainieren und spielen können, Marija Ilic ging krankheitsbedingt geschwächt in die Partie, und Lisa Kullik stand nach längerer Verletzungspause erst in ihrem zweiten Spiel zurück auf dem Feld – nach zuvor gleich 41 Minuten Einsatzzeit gegen Göttingen. Auch Headcoach Mario Zurkowski war nicht dabei und wurde erneut von Phlipp Riedrich vertreten. Der erfreuliche Grund: Unter der Woche wurde er zum ersten Mal Vater. Gratulation und alles Gute an dieser Stelle!
Bochum findet zunächst keinen Rhythmus
Auf dem Parkett war den AstroLadies die schwierige Ausgangslage zunächst anzumerken. Bochum kam im ersten Viertel nicht gut ins Spiel, leistete sich Unkonzentriertheiten, traf mehrfach nicht die beste Wurfauswahl und produzierte Turnovers. Die Talents präsentierten sich dagegen von Beginn an hellwach, trafen hochprozentig und erspielten sich zunächst Vorteile.
Erst im Laufe des ersten Viertels fanden die AstroLadies besser in die Partie. Bochum stabilisierte sich etwas, verteidigte konzentrierter und schaffte es immerhin, den ausgeglichenen Stand von 21:21 nach den ersten zehn Minuten mitzunehmen.
Im zweiten Viertel kippte die Partie dann zunächst stärker in Richtung der Gäste. Bei Bochum verfestigte sich der Eindruck, dass es einer dieser Nachmittage werden könnte, an denen wenig zusammenläuft. Die AstroLadies, in den vergangenen Wochen oft für ihren mannschaftlich geschlossenen Basketball gelobt, taten sich offensiv enorm schwer. Bis zur Halbzeit hatten bezeichnenderweise nur vier Spielerinnen aus der Starting Five gepunktet. Dem Rest des Teams wollte offensiv kaum etwas gelingen.
BonnRhöndorf nutzte diese Phase und ging mit einem 43:34 in die Kabine.
Faith Dut hält Bochum im Spiel
Dass das Spiel zur Pause nicht bereits vorentschieden war, lag vor allem an Faith Dut. Die Centerin war in Halbzeit eins der zentrale Faktor dafür, dass Bochum den Anschluss nicht komplett verlor. Unter dem Korb arbeitete sie mit großer Präsenz, sammelte Rebounds, schloss stark ab und gab ihrem Team die nötige Stabilität.
Nach dem Seitenwechsel kamen die AstroLadies dann mit einem anderen Gesicht aus der Kabine. Die Konzentration in Defensive und Offense war spürbar besser, das Spiel gewann an Intensität und Körperlichkeit. Bochum investierte nun deutlich mehr, verteidigte konsequenter und versuchte, sich Schritt für Schritt zurück in die Partie zu arbeiten.
Gleichzeitig fanden die Talents weiterhin Antworten. Vor allem Martha Middeler, die am Ende auf 23 Punkte und neun Rebounds kam, hielt BonnRhöndorf lange auf Kurs. Zwischen ihr und Faith Dut entwickelte sich nun ein kleines Privatduell, das der Partie zusätzlich Würze verlieh. Bochum verkürzte, kam aber zunächst nicht entscheidend näher heran. Mit 51:57 ging es ins Schlussviertel.
15:0-Lauf entscheidet das Spiel
Auch zu Beginn des vierten Viertels sprach noch wenig für eine Bochumer Wende. BonnRhöndorf hielt den Vorsprung, blieb unangenehm und schien das wichtige Spiel im Kampf um die Playoffs kontrollieren zu können. Doch dann drehten die AstroLadies auf.
Beim Stand von 60:67 startete Bochum einen beeindruckenden 15:0-Lauf und riss die Partie damit in den Schlussminuten komplett an sich. Die Talents fanden offensiv plötzlich keine Lösungen mehr. Faith Dut dominierte in Korbnähe, Cecelia Collins übernahm im Schlussviertel mit 13 Punkten noch einmal besonders viel Verantwortung, und Laura Knaup setzte mit einem wichtigen Dreier in der Crunchtime ein starkes Zeichen.
Gerade Knaup zeigte erneut, wie stark sie sich in den vergangenen Wochen entwickelt hat. Die 17-Jährige kompensiert die Ausfälle im Bochumer Kader inzwischen bemerkenswert reif und steuerte insgesamt 15 Punkte und acht Rebounds zum Erfolg bei.
Kurz vor Schluss gelang dann auch Marija Ilic, die bis dahin punktlos geblieben war und sich aufopferungsvoll ins Spiel gekämpft hatte, ein wichtiger und sehenswerter Korbleger nach Spin-Move. Es waren ihre ersten Punkte des Spiels – und sie passten perfekt zu einem Nachmittag, an dem sich Bochum lange schwertat, aber nie aufgab.
Mannschaftliche Geschlossenheit statt billiger Klischees
Die nackten Zahlen dieses Spiels sind in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Für Bochum punkteten ausschließlich die Spielerinnen der Starting Five. Faith Dut kam auf 30 Punkte, 14 Rebounds, vier Blocks, drei Assists und vier Steals. Cecelia Collins legte 25 Punkte, 15 Rebounds, vier Assists und perfekte 12 von 12 Freiwürfen auf. Laura Knaup erzielte 15 Punkte. Gemeinsam kamen Dut, Collins und Knaup damit auf 70 Punkte – also einen Zähler mehr als die gesamte Mannschaft aus BonnRhöndorf.
Auf der anderen Seite verteilte sich das Scoring der Talents deutlich breiter. Elf von zwölf eingesetzten Spielerinnen trugen sich in die Punkteliste ein, allerdings punktete außer Middeler (23 Punkte) keine Spielerin zweistellig.
Gerade deshalb greift jede billige Erklärung für diesen Spielausgang zu kurz. Wer dieses Comeback mit alten Klischees über Geld und Importspielerinnen erklären will, macht es sich sehr einfach – und blendet aus, was in der Rundsporthalle tatsächlich zu sehen war. Bochum gewann dieses Spiel durch Mentalität, Qualität in den entscheidenden Momenten und einer klaren Identität. In der Crunchtime waren es nicht Ausreden, sondern Rebounds, Stops, ein 15:0-Lauf und unbändiger Wille, die den Unterschied machten.
Denn genau das ist derzeit der Bochumer Weg: eine gute Mischung aus jungen Talenten wie Laura Knaup, Marija Ilic und Lena Bjeltschik, routinierten Kräften, die seit Jahren den Kern des Teams bilden, und zwei jungen Talenten aus Nordamerika. Nicht Gegeneinander, sondern miteinander. Nicht große Worte, sondern große Plays.
Zahlen zum Spiel, Fazit und Ausblick
Bochum gewann trotz schwächerer Feldwurfquote in einigen Bereichen die entscheidenden Duelle. Die AstroLadies holten 47 Rebounds gegenüber 39 bei BonnRhöndorf und verteilten 20 Assists. Die Gäste trafen zwar insgesamt etwas besser aus dem Feld, konnten ihren Vorteil aber im Schlussviertel nicht behaupten.
Mit dem 75:69-Erfolg haben die AstroLadies 11 ihrer letzten 12 Spiele gewonnen und einmal mehr unterstrichen, wie schwer dieses Team im Kalenderjahr 2026 zu schlagen ist. Der Sieg gegen BonnRhöndorf war im Rennen um die Playoff-Plätze von enormer Bedeutung. Weil gleichzeitig die BlackBulls Osnabrück verloren, zog Bochum in der Tabelle sogar auf Rang drei vorbei.
Nun wartet bereits das nächste Schlüsselspiel. Am Samstag, 28. März, sind die AstroLadies um 18 Uhr bei den ChemCats Chemnitz gefordert. Dort geht es um nicht weniger als die endgültige Absicherung des Playoff-Tickets. Das Hinspiel hatte Bochum mit 13 Punkten Differenz gewonnen. Sollte auch der direkte Vergleich erfolgreich verteidigt werden, könnten die ChemCats die AstroLadies nicht mehr einholen.
Nach diesem Sieg gegen die Talents ist klar: Dieses Bochumer Team hat nicht nur Qualität, sondern auch Charakter. Und manchmal ist genau das mehr wert als jede schnell formulierte Theorie nach einer Niederlage.
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Text: Marco Baron | MCB Sport
Foto: Dominik Voh

