Dramatik bis zur letzten Sekunde: AstroLadies fordern Spitzenreiter Göttingen alles ab

Dramatik bis zur letzten Sekunde: AstroLadies fordern Spitzenreiter Göttingen alles ab

Bochum unterliegt den Veilchen Ladies in der Rundsporthalle nach zwei Verlängerungen denkbar knapp mit 90:91

Die VfL VIACTIV-AstroLadies Bochum haben dem ungeschlagenen Tabellenführer BG 74 Veilchen Ladies Göttingen in der TOYOTA 2. Deutsche Basketball Bundesliga Nord einen großen Kampf geliefert und erst nach zwei Verlängerungen mit 90:91 verloren. Vor rund 250 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Rundsporthalle stand es nach regulärer Spielzeit 71:71, nach der ersten Overtime 82:82. Trotz personeller Rückschläge brachte Bochum die Favoritinnen mit einer herausragenden Teamleistung an den Rand der ersten Saisonniederlage.

Schon vor dem Sprungball war klar, dass die Aufgabe gegen den bislang ungeschlagenen Spitzenreiter kaum größer hätte sein können. Mit Faith Dut, die mit Kanada bei Länderspielen im Einsatz war, und Ramona Tews, die nach ihrem Kreuzbandriss im Spiel in Hürth für den Rest der Saison ausfällt, fehlten den AstroLadies gleich zwei wichtige Stützen der Starting Five. Zudem musste Bochum auf Headcoach Mario Zurkowski verzichten, der aus privaten Gründen verhindert war. Für ihn übernahm Philipp Riedrich an der Seitenlinie.

Die Veilchen Ladies reisten dagegen aus einer spielfreien Woche als Tabellenführerinnen nach Bochum. Eine von Bochum gewünschte Verlegung der Partie wegen der Länderspielabstellung war zuvor von Göttingen abgelehnt worden. Doch trotz dieser alles andere als idealen Voraussetzungen gingen die AstroLadies mit breiter Brust in das Topspiel. Zehn Siege in Serie, ein gefestigter vierter Tabellenplatz und die Rückkehr von Lisa Kullik nach überstandenem Mittelhandbruch sorgten für das nötige Selbstvertrauen. Und Bochum zeigte vom ersten Ballbesitz an, dass sich die Mannschaft nicht mit der Rolle des Außenseiters zufriedengeben würde.

Bochum setzt früh die Akzente

Die AstroLadies erwischten den deutlich besseren Start. Kullik eröffnete das Spiel per Lay-up zum 2:0 und setzte kurz darauf mit einem Dreier nach Assist von Marija Ilic direkt das nächste Ausrufezeichen. Bochum war hellwach, aggressiv und präsent. Defensiv machten die Gastgeberinnen den Göttingerinnen das Leben von Beginn an schwer. Lena Bjeltschik blockte früh gegen Ana Leal Faustino und wenig später auch gegen Sophia Phillips, Ilic und Kullik sorgten mit Ballgewinnen zusätzlich für Druck auf den Spielaufbau der Gäste.

Auch offensiv lief der Ball gut durch die Bochumer Reihen. Ilic traf zum 7:2, Laura Knaup erhöhte per Fastbreak-Lay-up auf 9:3 und legte später noch einen Dreier zum 12:7 nach. Göttingen blieb zwar in Schlagdistanz, fand aber zunächst keinen Zugriff auf das Spiel. Als die Gäste zum Ende des ersten Viertels noch einmal auf 16:15 verkürzten, antworteten die AstroLadies abgeklärt. Kaja Scheller traf von der Freiwurflinie, Jule Groll legte nach, und Kullik stellte mit zwei Freiwürfen den 24:17-Zwischenstand nach den ersten zehn Minuten her.

Bochum hatte dem Favoriten nicht nur Paroli geboten, sondern das Spiel im ersten Viertel klar diktiert.

13-Punkte-Führung und Göttingens Reaktion

Auch im zweiten Viertel blieb Bochum zunächst am Drücker. Cecelia Collins traf nach Vorarbeit von Ilic einen Dreier zum 27:17, kurz darauf erhöhte Lotta Morsbach – ebenfalls nach Assist von Ilic – per Dreier sogar auf 30:17. Es war die höchste Bochumer Führung in der regulären Spielzeit und Ausdruck einer starken, konzentrierten Leistung auf beiden Seiten des Feldes.

Göttingen reagierte mit einer Auszeit – und fand danach besser in die Partie. Die Gäste verteidigten aggressiver, Bochum verlor zwischenzeitlich etwas von der frühen Leichtigkeit und leistete sich mehr Ballverluste. Schritt für Schritt arbeiteten sich die Veilchen Ladies zurück. Alice Bremer, Lena Wenke, Thalia Kretschmar und Lillian Phillips verkürzten den Rückstand, während Bochum nun mehr investieren musste, um die Kontrolle zu behalten.

Dennoch blieben die AstroLadies stabil. Immer wieder fanden sie Antworten, verhinderten den Umschwung und hielten die Führung bis in die Schlusssekunden der ersten Halbzeit. Als Katherine Peneueta zum 34:34 ausglich, drohte das Spiel zu kippen. Doch Bochum blieb ruhig. Collins traf neun Sekunden vor der Halbzeitsirene nach Assist von Scheller zum 36:34 und sorgte so dafür, dass die Gastgeberinnen trotz des Göttinger Laufs mit einer knappen Führung in die Kabine gingen.

Defensiv diszipliniert, offensiv mutig

Besonders bemerkenswert war in der ersten Halbzeit die Bochumer Defensivarbeit gegen zwei der gefährlichsten Göttinger Schützinnen. Sophia Phillips, sonst vor allem als Distanzschützin brandgefährlich, fand über weite Strecken überhaupt nicht zu ihrem Rhythmus. Auch Leal Faustino wurde zunächst gut kontrolliert und von den AstroLadies immer wieder vor schwierige Abschlüsse gestellt.

Dass Göttingen dennoch im Spiel blieb, lag vor allem an Bremer, die unter dem Korb mehrfach zu Punkten kam und ihre Mannschaft offensiv trug. Bochum reagierte darauf im weiteren Verlauf mit defensiven Anpassungen – und bekam Bremer in der zweiten Halbzeit deutlich besser in den Griff.

Riedrich lobte nach der Partie genau diese mannschaftliche Disziplin: „Wir konnten unsere DNA zeigen – eine mannschaftlich geschlossene Leistung in der Defensive, die absolut nötig ist, um gegen so einen starken Gegner überhaupt zu bestehen beziehungsweise an einem Sieg zu kratzen.“

Dritter Abschnitt wird zum offenen Schlagabtausch

Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich die Partie endgültig zu einem Spitzenspiel auf höchstem Zweitliganiveau. Göttingen eröffnete das dritte Viertel mit einem Dreier von Bremer zur ersten Führung, doch Bochum ließ sich davon nicht beeindrucken. Collins antwortete sofort, Bjeltschik glich nach Assist von Knaup zum 40:40 aus, und fortan wechselte die Führung immer wieder hin und her.

In dieser Phase übernahm vor allem Collins immer mehr Verantwortung. Sie traf aus dem Feld, punktete von der Freiwurflinie und hielt Bochum in einem Viertel im Spiel, in dem Göttingen mehrfach versuchte, sich ein kleines Polster zu erarbeiten. Collins brachte die AstroLadies unter anderem mit einem Dreier wieder in Front, Emma Morsbach setzte mit dem 50:49 einen weiteren wichtigen Akzent.

Doch die Veilchen Ladies blieben unangenehm konstant. Peneueta und Annika Oevermann sorgten dafür, dass Göttingen sich zum Ende des dritten Viertels leicht absetzen konnte. Als Bremer kurz vor der Sirene zwei Freiwürfe zum 52:56 verwandelte, gingen die Gäste mit einer knappen Führung in den Schlussabschnitt. Die Partie war nun völlig offen – und steuerte auf eine hochdramatische Schlussphase zu.

Crunchtime mit allem, was Basketball ausmacht

Lisa Kullik von den AstroLadies Bochum gab ein starkes Comeback nach längerer Verletzungspause. (Foto: Faloco Fotografie)

Mit einem 52:56-Rückstand startete Bochum in die letzten zehn Minuten der regulären Spielzeit. Die AstroLadies bewiesen nun erneut Charakter. Scheller verkürzte, Collins, die in dieser Phase kaum zu stoppen war, brachte Bochum mit einem Dreier nach Assist von Ilic wieder mit 63:61 in Führung. Knaup hatte zuvor bereits wichtige Punkte erzielt und damit den Weg für die erneute Wende bereitet.

Göttingen blieb jedoch abgeklärt. Leal Faustino traf einen wichtigen Dreier, weitere Punkte der Gäste hielten Bochum unter Druck. Doch die AstroLadies antworteten auch in dieser Phase immer wieder. Mit noch 2:04 Minuten auf der Uhr verwandelte Kullik nach Vorarbeit von Collins einen ganz wichtigen Dreier zum 68:68. Kurz darauf setzte Ilic zu einem starken Drive und Spin-Move an und brachte Bochum mit 70:68 in Führung.

Die Schlusssekunden der regulären Spielzeit hatten dann alles, was dieses Spiel auszeichnete: Intensität, Nervenstärke und Dramatik. Nach einem Foul von Bjeltschik traf die stark aufspielende Peneueta zwei Freiwürfe zum 70:70. Im Gegenzug wurde Kullik bei neun Sekunden Restzeit gefoult. Sie traf einen von zwei Freiwürfen zur 71:70-Führung für Bochum.

Doch dann folgte eine der entscheidenden Szenen des Spiels. Noch bevor Göttingen den Ball von der Seitenlinie einwarf, pfiffen die Schiedsrichter im Kampf um die Positionen ein Foul von Kullik an Peneueta. Die Centerspielerin traf den zugesprochenen Freiwurf zum 71:71. Bochum war nur Sekunden vom Sieg entfernt – und musste plötzlich in die Verlängerung.

Die erste Verlängerung begann unglücklich für die Gastgeberinnen. Ein Ballverlust führte direkt zu Göttinger Punkten, Leal Faustino und Peneueta brachten die Gäste anschließend auf 80:74 in Front. Das Momentum schien nun klar bei den Veilchen Ladies zu liegen.

Doch Bochum gab sich nicht geschlagen. Kullik traf einen enorm wichtigen Dreier zum 77:80, Ilic verkürzte per Lay-up auf 79:80, und plötzlich war die Tür wieder offen. Göttingen erhöhte vier Sekunden vor Schluss auf 82:79 – doch die AstroLadies hatten noch eine letzte Chance.

Nach einer Auszeit lief das entscheidende Play über Kullik. Die Rückkehrerin übernahm Verantwortung und traf den Dreier zum 82:82-Ausgleich. Die Rundsporthalle stand Kopf. Bochum hatte den Rückstand in letzter Sekunde noch einmal aufgeholt und den Spitzenreiter in eine zweite Verlängerung gezwungen.

Riedrich hob diese Szene später ausdrücklich hervor: „Im letzten Play der ersten Overtime hat sie das in sie gesteckte Vertrauen zurückgezahlt und den Dreier verwandelt und das Team in die zweite Overtime gebracht.“ Überhaupt fand der Bochumer Coach deutliche Worte zum Comeback seiner Flügelspielerin: „Unglaubliches Comeback von Lisa Kullik. Ich habe selten eine Spielerin nach so einer Verletzung mit so einer Energie und so hochprozentig beim Comeback gesehen.“

Entscheidung fällt hauchdünn in der zweiten Verlängerung

Auch die zweite Overtime war nichts für schwache Nerven. Göttingen legte vor, Knaup traf einen wichtigen Dreier zum 85:84 für Bochum, Collins glich später zum 87:87 aus. Doch wieder hatte Göttingen die passende Antwort. Leal Faustino fand spät zu ihrer Stärke von Außen und setzte mit ihrem Dreier zum 90:87 einen der entscheidenden Würfe des gesamten Spiels.

Bochum verlor in dieser Phase zweimal den Ball, bekam aber noch einmal eine letzte Chance. Nachdem Leal Faustino bei elf Sekunden Restzeit nur einen von zwei Freiwürfen zum 91:87 verwandelte, blieb ein letzter kleiner Hoffnungsschimmer. Nach der Auszeit bekam Collins den Ball und traf zwei Sekunden vor Schluss den Dreier zum 90:91. Noch einmal war die Halle da, noch einmal keimte Hoffnung auf.

Mehr blieb den AstroLadies nicht mehr. Göttingen brachte die letzten Sekunden über die Uhr und rettete den hauchdünnen Vorsprung ins Ziel.

Geschlossene Teamleistung gegen den Spitzenreiter

Philipp Riedrich vertrat Headcoach Mario Zurkowski beim Spiel der AstroLadies Bochum gegen die Veilchen Ladies Göttingen. (Foto: Faloco Fotografie)

Dass Bochum dieses Spiel trotz aller personellen Probleme so lange offen halten und den Tabellenführer über 50 Minuten an die Grenze bringen konnte, war vor allem das Ergebnis einer bemerkenswert geschlossenen Mannschaftsleistung. Die AstroLadies trafen besser aus dem Feld, waren von außen deutlich effizienter und bewegten den Ball stark. 24 Assists sprechen ebenso für sich wie das knappe Reboundplus.

Gleichzeitig lagen die Gründe für die Niederlage ebenfalls offen zutage. Göttingen erarbeitete sich durch 18 Offensivrebounds und insgesamt weniger Ballverluste wertvolle zusätzliche Ballbesitze. In einem Spiel, das über zwei Verlängerungen ging und von 13 Führungswechseln sowie 12 Gleichständen geprägt war, machten genau diese Kleinigkeiten am Ende den Unterschied.

Riedrich brachte es nach Spielende treffend auf den Punkt: „Riesenlob an die gesamte Mannschaft, dafür dass sie die Ausfälle von Faith Dut und Ramona Tews so herausragend kompensiert haben in so einem Spiel. Das geht nur über eine sehr geschlossene Teamleistung.“ Zwar hätten sich „zum Ende des Spiels der eine oder andere Fehler im jungen Kader eingeschlichen“, in Summe sei es aber „eine Topleistung“ gewesen.

Topscorerinnen und individuelle Leistungen

Cecelia Collins machte 33 Punkte und holte 27 Rebounds für ihr Team. (Foto: Faloco Fotografie)

Überragt wurde die Partie auf Bochumer Seite einmal mehr von Cecelia Collins. Die US-Amerikanerin legte mit 33 Punkten (Career High), 27 Rebounds (Career High), 6 Assists und 3 Blocks eine absolute Ausnahmepartie auf das Parkett und prägte das Spiel in nahezu jeder Phase. Riedrich sagte über sie: „Cece Collins wie immer herausragend. 27 Rebounds bei 33 Punkten sprechen eine ganz klare Sprache und sind Wahnsinnszahlen.“

Ein starkes Comeback feierte Lisa Kullik. Nach ihrem Mittelhandbruch rückte sie direkt wieder in die Starting Five und kam auf 17 Punkte. Vor allem in den entscheidenden Phasen war sie mit ihren Dreiern und ihrer Präsenz ein zentraler Faktor für Bochum. Marija Ilic überzeugte mit 12 Punkten und 9 Assists und lenkte das Spiel phasenweise bemerkenswert ruhig. Laura Knaup steuerte 11 Punkte, 7 Rebounds und 4 Assists bei.

Hervorzuheben ist zudem die Leistung der jungen Spielerinnen Marija Ilic und Lena Bjeltschik. Die 18-jährige Ilic übernahm im Aufbau viel Verantwortung, die 17-jährige Bjeltschik vertrat Faith Dut in der Starting Five und setzte mit ihrer Physis und vier Blocks starke defensive Akzente. Riedrich lobte sie ausdrücklich: „Ich will an der Stelle Marija Ilic und Lena Bjeltschik erwähnen, die einen grandiosen Job gemacht haben – lange Zeit einen ruhigen, guten Spielaufbau von Marija, Lena, die ihre Größe eingesetzt hat, defensiv gearbeitet hat und Schritt für Schritt besser wird.“ Auch Bjeltschiks Ausscheiden in der ersten Overtime mit dem fünften Foul habe die Mannschaft „super aufgefangen“.

Bei Göttingen war Katherine Peneueta mit 22 Punkten Topscorerin. Ana Leal Faustino kam trotz einer zunächst eher unauffälligen ersten Halbzeit noch auf 20 Punkte und 10 Rebounds. Alice Bremer war vor allem vor der Pause ein ständiger Unruheherd und beendete die Partie mit 17 Punkten, 12 Rebounds und 6 Assists.

Fazit und Ausblick

Am Ende stand für die AstroLadies eine Niederlage, die wehtut, weil der Sieg mehrfach greifbar nah war. Gleichzeitig war dieses 90:91 nach doppelter Verlängerung gegen den ungeschlagenen Spitzenreiter auch ein starkes Signal. Bochum hat gezeigt, dass die Mannschaft selbst unter schwierigen personellen Voraussetzungen mit dem besten Team der Liga mithalten kann.

Auch Riedrich ordnete die Leistung entsprechend ein: „Wir sind das erste Team, das Göttingen an den Rand einer Niederlage gebracht hat.“ Genau dieses Gefühl blieb nach einem Abend, an dem die rund 250 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Rundsporthalle ein hochklassiges, intensives und phasenweise dramatisches Topspiel sahen.

Schon am kommenden Sonntag, 22. März, wartet die nächste wichtige Aufgabe. Dann empfangen die AstroLadies um 17 Uhr in der Rundsporthalle Bochum die Talents BonnRhöndorf, die nach zuletzt fünf Siegen in Serie ebenfalls noch Druck im Rennen um die Playoff-Plätze machen. Bochum hat gegen Göttingen trotz der knappen Niederlage eindrucksvoll gezeigt, dass diese Mannschaft bereit ist, auch in den entscheidenden Wochen der Saison große Spiele zu liefern.

Der Spielbericht wird präsentiert von unserem Partner HSW Autoteile.

Text: Marco Baron | MCB Sport
Foto: Faloco Fotografie